Überlegungen zum Kamerakauf

Nachdem ich immer wieder gefragt werde: „Stefan, was für eine Kamera kannst du mir empfehlen?“, schreibe ich hier mal meine Gedanken dazu nieder. Diese sind natürlich in keinster Weise vollständig, aber als Ausgangspunkt für eigene Überlegungen können sie durchaus dienen. Zunächst will ich noch betonen, es gibt nicht DIE EINE Kamera. Je nach Einsatzzweck und eigenen fotografischen Vorlieben wird jeder einen individuelle Auswahl treffen müssen. Daher ist es umso wichtiger, sich vor der Kaufentscheidung ein paar Fragen zu den eigenen Präferenzen zu stellen. Diese könnten wie folgt lauten:

  • Wie tief will/kann ich einsteigen (Urlaubs- und Familienfotos oder weitergehendes Hobby)?
  • Was sind meine bevorzugten Motive (Landschaft, Personen oder Sport)?
  • Wie transportabel soll die Ausrüstung sein ((Hand)Tasche oder Rucksack)?
  • Wo fotografiere ich vorwiegend (Outdoor, bei wenig Licht, Clubs, Straße)?
  • Hab ich spezielle fotografische Bereiche im Visier (Makros, Streetfotografie, Unterwasserfotografie etc.)?
  • Wieviel Geld kann/will ich zum Einstieg ausgeben?

Klar, man kann nicht alle Fragen abschließend beantworten. Gerade am Anfang weiß man oft nicht, wohin die Reise geht. Aber ein paar Gedanken am Anfang können helfen, richtig Geld zu sparen. Diese Erfahrung habe ich leider auch schon gemacht.

Ich werde nun auf die einzelnen Fragen kurz eingehen, damit auch der Sinn klar wird, was dahintersteckt – und euch zu eigenen Überlegungen einladen. Im Anschluß daran werde ich ich die wichtigsten Kameratypen kurz mit ihren Stärken und Schwächen skizzieren.

Wie tief will/kann ich einsteigen?

Hierbei gilt es herauszufinden, wie weit ich mich mit der Funktionsweise der Kamera und der Fotografie an sich auseinandersetzen will. Anders gesagt, bevorzuge ich den Automatikmodus, oder will ich die Bildwirkung selbst gestalten – und eigne mir das benötigte Wissen dazu an? Brauche ich Bilder direkt und sofort aus der Kamera (jpg), oder bearbeite ich auch einmal am PC nach? Was ist mein bevorzugtes Ausgabemedium bzw. Format? Bin ich bereit Objektive zu wechseln, oder ist mir das lästig?

Was sind meine bevorzugten Motive?

Je nach Motiv habe ich andere Anforderungen an den die Kamera. So benötigen z.B. bewegte Motive (Sport) einen schnellen Autofokus (noch eine Domäne der Spiegelreflexkameras). Bei Personenfotografie muss ich mit Schärfe/Unschärfe arbeiten können (geht mit den kleinen Sensoren in Kompaktkameras nicht).

Wie transportabel soll die Ausrüstung sein?

Diese Frage dürfte recht klar sein. Soll die Kamera(ausrüstung) immer dabei sein und will/kann ich nicht viel mit mir rumschleppen, dann ist eine Spiegelreflexkamera (mit entsprechenden Objektiven) sicher eher nicht geeignet. Da gilt es dann seine persönliche „Schmerzgrenze“ zu ermitteln.

Wo fotografiere ich vorwiegend?

Bin ich viel Outdoor unterwegs, dann brauche ich evtl. eine robustere Ausrüstung, Clubfotografie braucht Lichtstärke (Objektiv, Blitz) und ein gutes Rauschverhalten bei hohen ISO Werten. Bei (unauffälliger) Straßenfotografie sollte die Kamera nicht zu groß sein. Tierfotografie bedingt in der Regel große Telebrennweiten. Und so gibt es noch einige fotografische Schwerpunkte, die unterschiedliche Anforderungen an eine Kamera(ausrüstung) stellen. Sich hierüber (zusammen mit dem WAS) Gedanken zu machen, halte ich für den zentralen Punkt in der Kaufentscheidung.

Hab ich spezielle fotografische Bereiche im Visier?

Im Prinzip ist das eine Ergänzung zu den Punken WAS und WO. Wenn ich z.B. Unterwasserfotografie machen will, dann sollte natürlich auch ein Unterwassergehäuse in einem für mich passenden finaziellen Rahmen verfügbar sein. Oder bei der Makrofotografie passende Objektive. Und so weiter.

Wieviel Geld kann/will ich zum Einstieg ausgeben?

Klar, ohne Geld geht es nicht. Daher ist auch das ein wichtiger Punkt. Mit wieviel kann/will ich anfangen? Kann/will ich später noch dazukaufen?

Dies waren nun ein paar Gedanken, die man sich vor dem Kauf machen sollte. Wie gesagt, es soll nur eine Anregung sein, sich damit zu befassen. Ich habe sie bewußt knapp gehalten, da ich der Meinung bin, mehr Details verwirren nur. Sollte mir aber ein wichtiger Punkt durchgegangen sein, so schreibt mir doch einfach. Ich werde ihn dann ergänzen. Ach ja, eine Herstellerempfehlung wird hier natürlich nicht gegeben, dies halte ich für nebensächlich – in den richtigen Händen und dem richtigen Einsatzbereich machen die meisten Kameras gute Bilder. Aber nun kurz zu den verschiedenen Systemen mit ihren systembedingten Stärken und Schwächen. Natürlich ist das nur ein sehr grober Überblick, inzwischen gibt es eine Vielzahl von Kameras, die unterschiedliche Systeme vereinen, z.B. Kompaktkameras mit großen Sensoren. Eine gute Webseite mit einer Vielzahl von Testbereichten ist: www.dpreview.com – leider in Englisch.

Kompaktkameras

+ klein und handlich
+ einfach in der Handhabung
+ inzwischen gibt es auch Kompaktkameras mit großen Sensoren (teurer, aber mit deutlich besserer Bildqualität)

– Bildqualität bei gutem Licht ok, bei weniger Licht aber schlecht (Bildrauschen)
– oft gemächlicher Autofokus (für bewegte Motive ungeeignet)
– kein Spiel mit Schärfe/Unschärfe (scharfer Vordergrund, unscharfer Hintergrund) möglich (durch kleinen Sensor)
– oft nur Monitor und keinen Sucher, Monitor bei Sonnenlicht schlecht ablesbar

Mein Fazit: Als Urlaubskamera für kleines Budget und kleine Ansprüche durchaus geeignet.

Bridgekameras / Megazooms

+ deckt einen extrem großen Brennweitenbereich von Weitwinkel bis Tele ab
+ viele Funktionen
+ oft manueller Modus möglich, RAW Daten
+ es gibt recht lichtstarke Objektivvarianten
+ elektronischer Sucher (sinnvoll bei Sonnenlicht)

– Bildqualität bei gutem Licht ok, bei weniger Licht aber schlecht (Bildrauschen)
– oft gemächlicher Autofokus (für bewegte Motive ungeeignet)
– kein Spiel mit Schärfe/Unschärfe (scharfer Vordergrund, unscharfer Hintergrund) möglich (durch kleinen Sensor)

Mein Fazit: Als „Immer dabei“ sehr gut geeignet, sofern man selten bei wenig Licht fotografiert und bereit ist, etwas mehr zu tragen. Dafür hat man „Tele“ ohne Ende“.

Micro Four Thirds (mFT)

+ Wechselsystem, dadurch vielseitig erweiterbar
+ gute bis sehr gute Bildqualität, auch bei wenig Licht
+ im Vergleich zu Spiegelreflexkameras sehr kompakt
+ Autofokus recht flott (bei ruhenden Motiven kaum Unterschied zu DSLR)
+ elektronische Sucher verfügbar oder eingebaut
+ Spiel mit Schärfe/Unschärfe (scharfer Vordergrund, unscharfer Hintergrund) möglich

– im Vergleich zu Kompaktkameras größer und schwerer
– Preis (im Vergleich zu Kompaktkameras)
– Bedienbarkeit im Vergleich zu DSLRs
– Autofokus bei bewegten Motiven im Vergleich zu DSLRs

Mein Fazit: Ein sehr interessanter Ansatz und mein „immer dabei“. Relativ kompakt, preiswert und flexibel. Mein persönlicher „Geheimtipp“.

DSLRs

+ sehr gute Bildqualität auch bei wenig Licht (hohen ISO Werten)
+ Spiel mit Schärfe/Unschärfe (scharfer Vordergrund, unscharfer Hintergrund) möglich
+ schneller und treffsicherer Autofokus
+ optischer Sucher, man sieht auch bei Sonnenlicht perfekt
+ extrem viel Zubehör verfügbar
+ Bedienung, Ergonomie

– Gewicht, Umfang
– Preis (für ein Gesamtsystem)

Mein Fazit: Immer noch das Maß der Dinge, wenn es um Qualität, Autofokus und Ergonomie (Sucher, Bedienkonzept) geht. Der Preis hierfür ist der Preis 🙂 und das Gewicht.

Das war es nun, ich hoffe, ich habe euch ein wenig zum Nachdenken angeregt. Wenn ihr spezielle und weitergehende Fragen habt, dann freue ich mich über Post 🙂 Da kann ich dann auch gerne einen etwas tieferen Einblick in die verschiedenen Kamerasysteme geben. Ansonsten freue ich mich natürlich auch über Lob und Kritik. Und nun viel Spaß bei der Qual der Wahl 🙂

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